2019 - II

E
EcoClub San LorenzoEcoClub San Lorenzo

Rundbrief II - 2019

Paten für Kinder in Esmeraldas/San Lorenzo e.V.
Mönchstr. 43, 33790 Halle IBAN: DE97 4805 1580 0000 0396 85
Tel.: 05201-9892 Swift-BIC: WELADED1HAW
e-mail: Paten-fuer-Kinder@web.de GläubigerIdent.-Nr.: DE33ZZZ00000073580
Links:
https://www.slideshare.net/EcoClub-San-Lorenzo http://vimeo.com/86573541
www.facebook.com/EcoClub.SanLorenzo https://www.bildungsspender.de/ecoclub
II – 2019
Nachrichten aus Ecuador
Der letzte Rundbrief begann mit den Worten: Dieses Jahr ist zu Beginn des Schuljahres alles weitgehend
ruhig und der Ausnahmezustand in der Provinz Esmeraldas zum Glück erst einmal aufgehoben. Nur weni-
ge Monate später war jetzt die Situation in Ecuador völlig anders:
Tausende demonstrierten in Quito und anderen Städten. Taxi- und Transportunternehmen legten landes-
weit den Verkehr mit Streiks, Straßensperren und Blockaden komplett lahm. Der Präsident erklärte per
Dekret den Ausnahmezustand für das ganze Land. In den Schulen fiel der Unterricht aus. Die Geschäfte
blieben geschlossen. Gewerkschaften, der Zentralverband der Indigenen Bevölkerung Ecuadors (CONAIE)
und soziale Bewegungen riefen zum Generalstreik auf, zu dem mehr als 20.000 Indigene aus allen Teilen
des Landes in die Hauptstadt Quito kamen. Die Regierung ergriff die Flucht von Quito nach Guayaquil und
verhängte eine Ausgangssperre in der Nähe von öffentlichen Gebäuden. Bei Straßenschlachten zwischen
Polizei, Militär und Demonstranten gab es Verletzte, Tote und hunderte Festnahmen.
Wie konnte es dazu kommen?
Tatsächlich beginnt die Geschichte bereits bei der Wahl 2017: Lenin Moreno war als Kandidat der Regie-
rungspartei „Alianza País“ angetreten und gewann die Stichwahl mit 51%, um, wie man damals annahm,
die Politik Rafael Correas fortzuführen. Das war aber nicht der Fall. Moreno wechselte vom sozialistischen
Programm der „Revolución Ciudadana“ (Bürger-Revolution), das mehr soziale Gerechtigkeit versprach, zu
einem neoliberalen Kurs mit den vorrangigen Zielen Deregulierung, Privatisierung und Defizitreduzierung.
Die von Correa eingeleiteten Reformen wurden zurückgedreht und eine medial breit unterstützte Kampag-
ne der politisch-justiziellen Verfolgung gegen die Vorgängerregierung gestartet.
Auch der erst vor wenigen Jahren von Correa feierlich eingeweihte Hauptsitz der Unasur (Union der Süd-
amerikanischen Nationen) in Quito wurde kurzerhand geschlossen. Viele Ecuadorianer fühlten sich bei
dieser Kehrtwende von Moreno verraten und die Unzufriedenheit wuchs.
Auslöser der jetzigen Proteste ist ein drastisches Sparpaket, das Präsident Moreno Anfang Oktober mit
sofortiger Umsetzung ankündigte.
Ein Kernpunkt darin ist die Streichung der jahrzehntelangen Subventionen für Treibstoffe in dem erdölrei-
chen Land, wodurch jährlich mehr als 1 Milliarde US-Dollar eingespart werden soll. Konkret heißt das für
die Bevölkerung, dass sich der Preis für Benzin um ein Viertel erhöht und der Preis von Diesel sich sogar
verdoppelt. Da es nur wenige Bahnlinien gibt und sich die Beförderung von Personen und Gütern vornehm-
lich auf die Straße konzentriert, werden die erhöhten Treibstoffpreise zu höheren Preisen für Lebensmittel
und Konsumgütern führen. Zusammen mit den Arbeitsmarktreformen, die Löhne und Urlaubstage reduzie-
ren, der Kürzung der öffentlichen Haushalte und weiteren Sparmaßnahmen hat dies das Fass zum Über-
laufen gebracht. Das Sparpaket ist Teil des sogenannten Strukturanpassungsprogramms und war Bedin-
gung für einen 4,2 Milliarden Kredit des Internationalen Währungsfonds (IWF).
Bereits am dritten Oktober, direkt nach den ersten Protesten, hat Lenín Moreno den Ausnahmezustand per
Dekret verhängt. Damit ist die Pressefreiheit eingeschränkt und Soldaten können im Land eingesetzt wer-
den. Präsident Moreno betonte in einer Fernsehansprache, dass er die Streichung der Subventionen nicht
zurücknehmen und nicht mit "Kriminellen" verhandeln werde, die das Land ins "Chaos stürzen“ wollen. Das
hat die Fronten weiter verhärtet. Viele Demonstranten versichern, sie werden nicht aufgeben und fordern
Neuwahlen. Sie werfen dem Präsidenten vor, Ecuador dem IWF ausgeliefert zu haben und so die Bevölke-
rung in finanzielle und soziale Not zu treiben. „In vielen Ländern Lateinamerikas, so auch in Ecuador, hat
der IWF einen katastrophalen Ruf und wird mit berechtigten Argumenten für Armut, Arbeitslosigkeit und
Rezession verantwortlich gemacht. Ähnliche Konflikte wie dieser haben schon mehrere ecuadorianische
Präsidenten das Amt gekostet.“ (Zitat Spiegel Online vom 13.10.2019;
https://www.spiegel.de/politik/ausland/ecuador-aufstand-der-indigenen-gegen-den-iwf-a-1291315.html)
Unter Moderation der UN und der katholischen Kirche traten die Regierung und die Indigenenorganisation
Conaie in einen Dialog und vereinbarten, dass das Dekret 883, mit dem u.a. die Treibstoffsubventionen
gestrichen wurden, mit einem neuen Dekret so zurückgenommen wird, dass die ärmeren Bevölkerungs-
schichten nicht darunter leiden. Der Ausnahmezustand wurde aufgehoben, und schon am 14 Oktober wa-
ren bereits viele Bürger in Quito unterwegs, um die Spuren der Straßenkämpfe zu beseitigen, Plätze zu
säubern und Barrikaden abzubauen. Die Quiteños hatten die Demonstranten so gut wie möglich mit De-
cken und Lebensmitteln versorgt, in erster Linie die Indigenen, die über Tage teils zu Fuß und mit ihren
Kindern in die Hauptstadt gekommen waren, um zu protestieren.
Ob endgültig Ruhe einkehrt, bleibt noch abzuwarten.
Oft haben wir beklagt, dass San Lorenzo so weit abseits liegt und von Politik und Gesellschaft vergessen
wird. Ausnahmsweise war das in dieser Situation ein Vorteil, denn San Lorenzo blieb von den Unruhen
weitgehend unberührt und so wurden auch die Aktivitäten im EcoClub weitergeführt:
EcoClub – Musikworkshop
„Musik machen mit allen hier, das ist mein Traum. Dass wir mit allen eine richtig gute Vorführung machen,
so gut, dass die Eltern glücklich sind, zumindest auch darüber, dass ihre Kinder hierher kommen, um etwas
zu lernen, nicht um hier herumzulungern. Sie kommen hierher um zu lernen, was die Lehrer beibringen.
Und das ist es, was ich will.“ sagt der 13 jährige Juan Christian nach den Proben für die Aufführung der
Marimbagruppe im Stadtzentrum.
Die neunjährige Michell meint: “Das Tanzen habe ich gelernt, weil eine Lehrerin es uns gezeigt hat. So
konnte ich das auch lernen. Tanzen fällt mir leicht. Alles daran hat mir gefallen!”
Das sind zwei Stimmen der Teilnehmer, die Sie im Video (leider noch ohne Untertitel) unter folgendem Link
sehen können: https://youtu.be/Kn5zPZiumsI
Wenn Sie gesehen haben, wie die Kinder und Jugendlichen aufleben, mit was für einer Ernsthaftigkeit sie
musizieren und tanzen, wie viel Spaß sie dabei haben, wie motiviert sie sind, wie ambitioniert die Lehrer
sind, wie engagiert Betreuer und Eltern alles unterstützen, dann sind Sie hoffentlich genauso beeindruckt
wie ich und es geht Ihnen das Herz auf.
Wenn man da noch einmal die Schwierigkeiten und Hindernisse vom Anfang Revue passieren lässt, erst
Musiker zu finden, dann Formalitäten bei Banken und Steuerbehörden klären um die Musiker anzustellen,
regelmäßige Proben zu etablieren und so weiter, dann ist es umso beachtlicher, was für eine musikalische
und tänzerische Qualität innerhalb eines Jahres erreicht wurde. Die Kinder und Jugendlichen, Lehrer, El-
tern und Betreuer können zu Recht stolz darauf sein und haben es als große Anerkennung empfunden,
dass sie am 26. Juli beim Umzug durch die Straßen von San Lorenzo als erste Gruppe ganz vorne gehen
durften. Voller Enthusiasmus haben sie so den internationalen Tag zum Schutz der Mangrovenwälder in
San Lorenzo mit Marimba und Tanzeinlagen bereichert.
Zum Abschluss wurde jedem einzelnen Teilnehmer ein Zertifikat verliehen und ein Abschlussfoto gemacht.
Umgehend wurde ein Antrag für ein zweites Jahr beim Kindermissionswerk gestellt und Sie müssen bitte
alle Daumen drücken, dass wir im Auswahlverfahren, das bis Ende des Jahres andauert, Erfolg haben und
eine weitere Zusage bekommen.
Dank großer Sonderspenden kann das Marimbaprojekt bis Jahresende aus eigenen Mitteln weitergeführt
werden. Das ist wichtig, damit keine Lücke entsteht und größtmögliche Kontinuität auch bei den Lehrer
sichergestellt werden kann, wenn wir dann hoffentlich ins zweite Projektjahr mit Finanzierung vom Kinder-
missionswerk starten können.
EcoClub – Therapieworkshop
Für die Monate Juni bis August hatten die beiden Therapeutinnen Malena und Diana den Themenblock
Arbeiten in der Gruppe, Gemeinschaft und Gruppendynamik vorgesehen.
Und diese Gruppendynamik entwickelte sich: Gleichsam beflügelt von der so erfolgreichen Präsentation
von Theater, Musik und Tanz im Stadtzentrum kam der Gedanke, dass bei einer nächsten Vorführung pa-
rallel selbsthergestellte Produkte verkauft werden könnten.
An Produktideen mangelte es nicht. In den Monaten Juni bis August widmeten sich die Kinder und Jugend-
lichen in erster Linie der Herstellung von Notizbüchern, deren Cover sie nach eigenen Vorstellungen mit
verschiedenen Materialien ausgestalteten. Die Kinder waren mit Eifer bei der Sache und wurden unter an-
derem motiviert von der Überlegung, wem sie ein fertiges Buch denn schenken könnten.
Herstellung und Verzierung der Notizbücher die Mütter fertigen Schmuck
Die Mütter widmeten sich der Herstellung von Ohrringen, Armbändern, Haarbändern, künstlichen Blumen
und –vasen, Traumfängern und Schmuckschalen. Es wurde möglichst recyceltes Material verwendet: Stoff-
reste wurden zu Haarbändern, bei den Ohrringen wurden Kronkorken von Bierflaschen mit dem Hammer
flachgeklopft und dann mit Stoff überzogen, CDs wurden zu Traumfängern umgestaltet.
Der ursprüngliche Plan des Verkaufs im Stadtzentrum wurde dann jedoch nicht realisiert. Als die Stadtver-
waltung eine Standmiete forderte, war man sich einig, eine Alternative zu suchen, denn damit hätte man für
die Zukunft Fakten geschaffen und jegliche Chance auf eine zukünftige kostenlose Nutzung bei anderer
Gelegenheit verwirkt.
Alternativ wollte man beim Stadtfest an der Seebrücke teilnehmen und dort verkaufen. Da allerdings be-
züglich des Stadtfestes immer wieder Zweifel aufkamen, ob es aufgrund der allgemeinen Gefahrenlage
überhaupt stattfinden kann, und der Termin immer wieder verschoben wurde, entschloss sich der EcoClub
schließlich, ein eigenes Fest am 31.August in der Cabaña zu veranstalten.
Daraufhin wurde geplant und vorbereitet, damit eine Vielfalt an Artikeln mit unterschiedlichen Designs am
Festtag zum Verkauf steht. Der EcoClub wurde herausgeputzt und geschmückt und alle haben sich von
ihrer besten Seite präsentiert.
Diana bei der Eröffnung im dekorierten EcoClub - Schmuckstücke und Haarbänder etc. für den Verkauf
Anprobe und Verkaufsverhandlung Präsentation der Notizbücher
Auch wenn man sich mehr Publikum gewünscht hätte, war es eine positive und wichtige Erfahrung für alle
Beteiligten, die nicht nur ihr künstlerisches Potenzial einmal mehr unter Beweis stellten. In Malena und Di-
ana hatten sie großartige Mentorinnen, mit denen Sie die gemeinsame kreative Zeit genießen konnten,
Grundlagen, Anregungen und Rückmeldung bekommen haben. Sie haben eigene Fähigkeiten entdeckt
und erweitert, sich gemeinsam engagiert und organisiert.
Wir sind noch auf der Suche nach Geschäften und Märkten, auf denen man die Produkte präsentieren und
verkaufen kann, sowohl in Ecuador als auch außerhalb.
Eine kleine Auswahl der Produkte wird auch auf dem Haller Fairtrade Basar im November angeboten.
Weihnachten
Da vermutlich die Lebensmittelpreise ansteigen werden, sollen auch dieses Jahr die Familien und Betreue-
rinnen zu Weihnachten einen Warenkorb bekommen.
Eine gemeinsame Weihnachtsfeier im EcoClub ist schon deshalb unerlässlich, weil das Programm, das die
Kinder und ihre Mütter mit Unterstützung von Sofia, Veronica, Malena und Diana da auf die Beine stellen
unbedingt sehenswert ist, wie wir aus dem letzten Jahr wissen!
Natürlich hoffen wir wie immer dabei auf Ihre Unterstützung mit einer Weihnachtsspende per Überwei-
sung, Lastschrift oder in bar. Die Weihnachts-Lastschriften werde ich mit gleichem Betrag wie im letzten
Jahr am Nikolaustag abbuchen, sofern ich bis zum 02.12.2019 keine gegenteilige Nachricht bekommen
habe. Klassische Weihnachtspost an die Kinder und Jugendlichen in San Lorenzo erbitte ich bis zum
29.11.2019 damit Übersetzung und Versand noch passend erfolgen können. Gerne dürfen Sie auch Grüße
oder kurze Nachrichten per whatsapp (01522-3664787) oder mail schicken!
Falls Sie im Internet einkaufen, tun Sie das bitte weiterhin über die Seite:
https://www.bildungsspender.de/ecoclub
Wenn Sie von da aus zum Online-Laden Ihrer Wahl gehen, bekommt der Verein einen kleinen Prozentsatz
vom Umsatz gutgeschrieben - ohne jegliche Extrakosten für Sie.
Einen goldenen Herbst und viele Grüße
Marion Weeke

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  • 1. Paten für Kinder in Esmeraldas/San Lorenzo e.V. Mönchstr. 43, 33790 Halle IBAN: DE97 4805 1580 0000 0396 85 Tel.: 05201-9892 Swift-BIC: WELADED1HAW e-mail: Paten-fuer-Kinder@web.de GläubigerIdent.-Nr.: DE33ZZZ00000073580 Links: https://www.slideshare.net/EcoClub-San-Lorenzo http://vimeo.com/86573541 www.facebook.com/EcoClub.SanLorenzo https://www.bildungsspender.de/ecoclub II – 2019 Nachrichten aus Ecuador Der letzte Rundbrief begann mit den Worten: Dieses Jahr ist zu Beginn des Schuljahres alles weitgehend ruhig und der Ausnahmezustand in der Provinz Esmeraldas zum Glück erst einmal aufgehoben. Nur weni- ge Monate später war jetzt die Situation in Ecuador völlig anders: Tausende demonstrierten in Quito und anderen Städten. Taxi- und Transportunternehmen legten landes- weit den Verkehr mit Streiks, Straßensperren und Blockaden komplett lahm. Der Präsident erklärte per Dekret den Ausnahmezustand für das ganze Land. In den Schulen fiel der Unterricht aus. Die Geschäfte blieben geschlossen. Gewerkschaften, der Zentralverband der Indigenen Bevölkerung Ecuadors (CONAIE) und soziale Bewegungen riefen zum Generalstreik auf, zu dem mehr als 20.000 Indigene aus allen Teilen des Landes in die Hauptstadt Quito kamen. Die Regierung ergriff die Flucht von Quito nach Guayaquil und verhängte eine Ausgangssperre in der Nähe von öffentlichen Gebäuden. Bei Straßenschlachten zwischen Polizei, Militär und Demonstranten gab es Verletzte, Tote und hunderte Festnahmen. Wie konnte es dazu kommen? Tatsächlich beginnt die Geschichte bereits bei der Wahl 2017: Lenin Moreno war als Kandidat der Regie- rungspartei „Alianza País“ angetreten und gewann die Stichwahl mit 51%, um, wie man damals annahm, die Politik Rafael Correas fortzuführen. Das war aber nicht der Fall. Moreno wechselte vom sozialistischen Programm der „Revolución Ciudadana“ (Bürger-Revolution), das mehr soziale Gerechtigkeit versprach, zu einem neoliberalen Kurs mit den vorrangigen Zielen Deregulierung, Privatisierung und Defizitreduzierung. Die von Correa eingeleiteten Reformen wurden zurückgedreht und eine medial breit unterstützte Kampag- ne der politisch-justiziellen Verfolgung gegen die Vorgängerregierung gestartet. Auch der erst vor wenigen Jahren von Correa feierlich eingeweihte Hauptsitz der Unasur (Union der Süd- amerikanischen Nationen) in Quito wurde kurzerhand geschlossen. Viele Ecuadorianer fühlten sich bei dieser Kehrtwende von Moreno verraten und die Unzufriedenheit wuchs. Auslöser der jetzigen Proteste ist ein drastisches Sparpaket, das Präsident Moreno Anfang Oktober mit sofortiger Umsetzung ankündigte. Ein Kernpunkt darin ist die Streichung der jahrzehntelangen Subventionen für Treibstoffe in dem erdölrei- chen Land, wodurch jährlich mehr als 1 Milliarde US-Dollar eingespart werden soll. Konkret heißt das für die Bevölkerung, dass sich der Preis für Benzin um ein Viertel erhöht und der Preis von Diesel sich sogar verdoppelt. Da es nur wenige Bahnlinien gibt und sich die Beförderung von Personen und Gütern vornehm- lich auf die Straße konzentriert, werden die erhöhten Treibstoffpreise zu höheren Preisen für Lebensmittel und Konsumgütern führen. Zusammen mit den Arbeitsmarktreformen, die Löhne und Urlaubstage reduzie- ren, der Kürzung der öffentlichen Haushalte und weiteren Sparmaßnahmen hat dies das Fass zum Über- laufen gebracht. Das Sparpaket ist Teil des sogenannten Strukturanpassungsprogramms und war Bedin- gung für einen 4,2 Milliarden Kredit des Internationalen Währungsfonds (IWF). Bereits am dritten Oktober, direkt nach den ersten Protesten, hat Lenín Moreno den Ausnahmezustand per Dekret verhängt. Damit ist die Pressefreiheit eingeschränkt und Soldaten können im Land eingesetzt wer- den. Präsident Moreno betonte in einer Fernsehansprache, dass er die Streichung der Subventionen nicht zurücknehmen und nicht mit "Kriminellen" verhandeln werde, die das Land ins "Chaos stürzen“ wollen. Das hat die Fronten weiter verhärtet. Viele Demonstranten versichern, sie werden nicht aufgeben und fordern Neuwahlen. Sie werfen dem Präsidenten vor, Ecuador dem IWF ausgeliefert zu haben und so die Bevölke- rung in finanzielle und soziale Not zu treiben. „In vielen Ländern Lateinamerikas, so auch in Ecuador, hat
  • 2. der IWF einen katastrophalen Ruf und wird mit berechtigten Argumenten für Armut, Arbeitslosigkeit und Rezession verantwortlich gemacht. Ähnliche Konflikte wie dieser haben schon mehrere ecuadorianische Präsidenten das Amt gekostet.“ (Zitat Spiegel Online vom 13.10.2019; https://www.spiegel.de/politik/ausland/ecuador-aufstand-der-indigenen-gegen-den-iwf-a-1291315.html) Unter Moderation der UN und der katholischen Kirche traten die Regierung und die Indigenenorganisation Conaie in einen Dialog und vereinbarten, dass das Dekret 883, mit dem u.a. die Treibstoffsubventionen gestrichen wurden, mit einem neuen Dekret so zurückgenommen wird, dass die ärmeren Bevölkerungs- schichten nicht darunter leiden. Der Ausnahmezustand wurde aufgehoben, und schon am 14 Oktober wa- ren bereits viele Bürger in Quito unterwegs, um die Spuren der Straßenkämpfe zu beseitigen, Plätze zu säubern und Barrikaden abzubauen. Die Quiteños hatten die Demonstranten so gut wie möglich mit De- cken und Lebensmitteln versorgt, in erster Linie die Indigenen, die über Tage teils zu Fuß und mit ihren Kindern in die Hauptstadt gekommen waren, um zu protestieren. Ob endgültig Ruhe einkehrt, bleibt noch abzuwarten. Oft haben wir beklagt, dass San Lorenzo so weit abseits liegt und von Politik und Gesellschaft vergessen wird. Ausnahmsweise war das in dieser Situation ein Vorteil, denn San Lorenzo blieb von den Unruhen weitgehend unberührt und so wurden auch die Aktivitäten im EcoClub weitergeführt: EcoClub – Musikworkshop „Musik machen mit allen hier, das ist mein Traum. Dass wir mit allen eine richtig gute Vorführung machen, so gut, dass die Eltern glücklich sind, zumindest auch darüber, dass ihre Kinder hierher kommen, um etwas zu lernen, nicht um hier herumzulungern. Sie kommen hierher um zu lernen, was die Lehrer beibringen. Und das ist es, was ich will.“ sagt der 13 jährige Juan Christian nach den Proben für die Aufführung der Marimbagruppe im Stadtzentrum. Die neunjährige Michell meint: “Das Tanzen habe ich gelernt, weil eine Lehrerin es uns gezeigt hat. So konnte ich das auch lernen. Tanzen fällt mir leicht. Alles daran hat mir gefallen!” Das sind zwei Stimmen der Teilnehmer, die Sie im Video (leider noch ohne Untertitel) unter folgendem Link sehen können: https://youtu.be/Kn5zPZiumsI Wenn Sie gesehen haben, wie die Kinder und Jugendlichen aufleben, mit was für einer Ernsthaftigkeit sie musizieren und tanzen, wie viel Spaß sie dabei haben, wie motiviert sie sind, wie ambitioniert die Lehrer sind, wie engagiert Betreuer und Eltern alles unterstützen, dann sind Sie hoffentlich genauso beeindruckt wie ich und es geht Ihnen das Herz auf. Wenn man da noch einmal die Schwierigkeiten und Hindernisse vom Anfang Revue passieren lässt, erst Musiker zu finden, dann Formalitäten bei Banken und Steuerbehörden klären um die Musiker anzustellen, regelmäßige Proben zu etablieren und so weiter, dann ist es umso beachtlicher, was für eine musikalische und tänzerische Qualität innerhalb eines Jahres erreicht wurde. Die Kinder und Jugendlichen, Lehrer, El- tern und Betreuer können zu Recht stolz darauf sein und haben es als große Anerkennung empfunden, dass sie am 26. Juli beim Umzug durch die Straßen von San Lorenzo als erste Gruppe ganz vorne gehen durften. Voller Enthusiasmus haben sie so den internationalen Tag zum Schutz der Mangrovenwälder in San Lorenzo mit Marimba und Tanzeinlagen bereichert. Zum Abschluss wurde jedem einzelnen Teilnehmer ein Zertifikat verliehen und ein Abschlussfoto gemacht.
  • 3. Umgehend wurde ein Antrag für ein zweites Jahr beim Kindermissionswerk gestellt und Sie müssen bitte alle Daumen drücken, dass wir im Auswahlverfahren, das bis Ende des Jahres andauert, Erfolg haben und eine weitere Zusage bekommen. Dank großer Sonderspenden kann das Marimbaprojekt bis Jahresende aus eigenen Mitteln weitergeführt werden. Das ist wichtig, damit keine Lücke entsteht und größtmögliche Kontinuität auch bei den Lehrer sichergestellt werden kann, wenn wir dann hoffentlich ins zweite Projektjahr mit Finanzierung vom Kinder- missionswerk starten können. EcoClub – Therapieworkshop Für die Monate Juni bis August hatten die beiden Therapeutinnen Malena und Diana den Themenblock Arbeiten in der Gruppe, Gemeinschaft und Gruppendynamik vorgesehen. Und diese Gruppendynamik entwickelte sich: Gleichsam beflügelt von der so erfolgreichen Präsentation von Theater, Musik und Tanz im Stadtzentrum kam der Gedanke, dass bei einer nächsten Vorführung pa- rallel selbsthergestellte Produkte verkauft werden könnten. An Produktideen mangelte es nicht. In den Monaten Juni bis August widmeten sich die Kinder und Jugend- lichen in erster Linie der Herstellung von Notizbüchern, deren Cover sie nach eigenen Vorstellungen mit verschiedenen Materialien ausgestalteten. Die Kinder waren mit Eifer bei der Sache und wurden unter an- derem motiviert von der Überlegung, wem sie ein fertiges Buch denn schenken könnten. Herstellung und Verzierung der Notizbücher die Mütter fertigen Schmuck Die Mütter widmeten sich der Herstellung von Ohrringen, Armbändern, Haarbändern, künstlichen Blumen und –vasen, Traumfängern und Schmuckschalen. Es wurde möglichst recyceltes Material verwendet: Stoff- reste wurden zu Haarbändern, bei den Ohrringen wurden Kronkorken von Bierflaschen mit dem Hammer flachgeklopft und dann mit Stoff überzogen, CDs wurden zu Traumfängern umgestaltet. Der ursprüngliche Plan des Verkaufs im Stadtzentrum wurde dann jedoch nicht realisiert. Als die Stadtver- waltung eine Standmiete forderte, war man sich einig, eine Alternative zu suchen, denn damit hätte man für die Zukunft Fakten geschaffen und jegliche Chance auf eine zukünftige kostenlose Nutzung bei anderer Gelegenheit verwirkt. Alternativ wollte man beim Stadtfest an der Seebrücke teilnehmen und dort verkaufen. Da allerdings be- züglich des Stadtfestes immer wieder Zweifel aufkamen, ob es aufgrund der allgemeinen Gefahrenlage überhaupt stattfinden kann, und der Termin immer wieder verschoben wurde, entschloss sich der EcoClub schließlich, ein eigenes Fest am 31.August in der Cabaña zu veranstalten. Daraufhin wurde geplant und vorbereitet, damit eine Vielfalt an Artikeln mit unterschiedlichen Designs am Festtag zum Verkauf steht. Der EcoClub wurde herausgeputzt und geschmückt und alle haben sich von ihrer besten Seite präsentiert. Diana bei der Eröffnung im dekorierten EcoClub - Schmuckstücke und Haarbänder etc. für den Verkauf
  • 4. Anprobe und Verkaufsverhandlung Präsentation der Notizbücher Auch wenn man sich mehr Publikum gewünscht hätte, war es eine positive und wichtige Erfahrung für alle Beteiligten, die nicht nur ihr künstlerisches Potenzial einmal mehr unter Beweis stellten. In Malena und Di- ana hatten sie großartige Mentorinnen, mit denen Sie die gemeinsame kreative Zeit genießen konnten, Grundlagen, Anregungen und Rückmeldung bekommen haben. Sie haben eigene Fähigkeiten entdeckt und erweitert, sich gemeinsam engagiert und organisiert. Wir sind noch auf der Suche nach Geschäften und Märkten, auf denen man die Produkte präsentieren und verkaufen kann, sowohl in Ecuador als auch außerhalb. Eine kleine Auswahl der Produkte wird auch auf dem Haller Fairtrade Basar im November angeboten. Weihnachten Da vermutlich die Lebensmittelpreise ansteigen werden, sollen auch dieses Jahr die Familien und Betreue- rinnen zu Weihnachten einen Warenkorb bekommen. Eine gemeinsame Weihnachtsfeier im EcoClub ist schon deshalb unerlässlich, weil das Programm, das die Kinder und ihre Mütter mit Unterstützung von Sofia, Veronica, Malena und Diana da auf die Beine stellen unbedingt sehenswert ist, wie wir aus dem letzten Jahr wissen! Natürlich hoffen wir wie immer dabei auf Ihre Unterstützung mit einer Weihnachtsspende per Überwei- sung, Lastschrift oder in bar. Die Weihnachts-Lastschriften werde ich mit gleichem Betrag wie im letzten Jahr am Nikolaustag abbuchen, sofern ich bis zum 02.12.2019 keine gegenteilige Nachricht bekommen habe. Klassische Weihnachtspost an die Kinder und Jugendlichen in San Lorenzo erbitte ich bis zum 29.11.2019 damit Übersetzung und Versand noch passend erfolgen können. Gerne dürfen Sie auch Grüße oder kurze Nachrichten per whatsapp (01522-3664787) oder mail schicken! Falls Sie im Internet einkaufen, tun Sie das bitte weiterhin über die Seite: https://www.bildungsspender.de/ecoclub Wenn Sie von da aus zum Online-Laden Ihrer Wahl gehen, bekommt der Verein einen kleinen Prozentsatz vom Umsatz gutgeschrieben - ohne jegliche Extrakosten für Sie. Einen goldenen Herbst und viele Grüße Marion Weeke